Tafel Nr. 1 von Mondrian
- Ölgemälde auf Leinwand
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| Autor: | Mondrian |
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| Titel: | Tafel Nr. 1 |
| Titel (Englisch): | Tableau no. 1 |
| Originaler Standort: | Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande |
| Anno: | 1913 |
„Tafel Nr. 1“ (französisch: „Tableau no. 1“) aus dem Jahr 1913 stellt einen der aufschlussreichsten Momente in der künstlerischen Entwicklung Piet Mondrians dar, in dem sich seine Malerei zunehmend von der unmittelbaren Darstellung der sichtbaren Welt entfernt und stattdessen eine Bildsprache erkundet, die auf strukturellen Beziehungen und formalen Ordnungen beruht. In dieser Phase interessiert sich der niederländische Künstler zunehmend dafür, die Komplexität der Wirklichkeit auf ein System visueller Rhythmen zu reduzieren, in dem Linien, Flächen und Tonwerte miteinander in Dialog treten. Beeinflusst vom Kubismus sowie von bestimmten spirituellen Anliegen, die sowohl mit seiner calvinistischen Prägung als auch mit dem Symbolismus verbunden waren, beginnt seine Malerei eine entscheidende Transformation, die wenige Jahre später zu einer Auffassung der Kunst führen sollte, die auf struktureller Klarheit, Orthogonalität und der Suche nach einem universellen Gleichgewicht beruht.
Die Bildoberfläche erscheint aus einem Geflecht gebrochener Flächen und sich kreuzender Linien aufgebaut, die das Bild in zahlreiche Facetten mit einfachen Linien und ockerfarbenen Tönen zergliedern. Diese Methode geht unmittelbar auf den sogenannten analytischen Kubismus zurück, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Pablo Picasso und Georges Braque entwickelt wurde. Anstatt ein Objekt aus einem einzigen Blickwinkel darzustellen, „analysierten“ die Kubisten es, indem sie es in zahlreiche Ebenen zerlegten, die sich auf der Leinwand zu einer visuellen Architektur neu ordnen. Das Ergebnis ist weniger die Darstellung eines eindeutig erkennbaren Gegenstands als vielmehr die Offenlegung seiner inneren Struktur.
In diesem Zusammenhang erweist sich der Einfluss Picassos als entscheidend. In Werken wie „Ma Jolie“ führte der Maler aus Málaga diese Logik bis zu einem radikalen Punkt: Die Figur löst sich nahezu vollständig in einem Netzwerk fragmentierter Ebenen auf, während Zeichen und typografische Hinweise das Thema nur indirekt andeuten. Diese Geste veränderte die moderne Malerei grundlegend, indem sie zeigte, dass ein Bild als autonome Konstruktion visueller Beziehungen existieren kann. Die in Paris entwickelten Forschungen hinterließen beim niederländischen Künstler einen tiefen Eindruck, der in diesem Ansatz einen Weg fand, die Malerei von der bloßen Erscheinung zu befreien.
Aus dieser Perspektive lässt sich das Werk als ein Laboratorium von Ideen verstehen, in dem eine neue Auffassung des Bildraums erprobt wird. Das Bild hört auf, ein Fenster zur Welt zu sein, und wird zu einem Feld von Spannungen zwischen Linien und Flächen. Wenige Jahre später sollten diese Untersuchungen im Neoplastizismus Gestalt annehmen, der gemeinsam mit Theo van Doesburg formuliert wurde und in dem die kubistische Komplexität auf ihr Wesen reduziert wird: gerade Linien, rechte Winkel und Primärfarben, organisiert in Kompositionen von beinahe mathematischem Gleichgewicht. Durch diesen Prozess fand die moderne Malerei einen ihrer einflussreichsten Wege und inspirierte die Entwicklung der abstrakten Kunst sowie späterer Strömungen wie der konkreten Kunst und des Minimalismus, die die Idee des Kunstwerks als reine Struktur weiter erforschten.